March 15, 2021

Last updated on February 16, 2022

Der neue Hype um Pokémon-Karten

Pikachu, Glurak und Pummeluff – Pokémon-Karten erleben derzeit einen neuen Hype. Doch was steckt dahinter?

Pikachu, Glurak und Pummeluff – Pokémon-Karten erleben derzeit einen neuen Hype. Doch was steckt dahinter?

Malina FlorentineEs ist Anfang der 2000er, du stehst mit deinen Freund*innen im Kreis auf dem Schulhof und öffnest ein kleines, schimmerndes Päckchen, das du mit deinem letzten Taschengeld am Kiosk um die Ecke gekauft hast. Gespannt ziehst du eine Pokémon-Karte nach der anderen aus der Verpackung. Jedes Mal halten alle um dich herum kurz die Luft an, nur um dann ein enttäuschtes Schnaufen von sich zu geben. Dann ist die Packung alle, du steckst die Karten in deine hintere Hosentasche, die Schulglocke läutet und ihr müsst zurück ins Klassenzimmer.

Heute sind genau diese Karten, an denen früher niemand auf dem Pausenhof vorbeigekommen ist, durch vor allem Streamer und YouTuber wieder in aller Munde, zum Teil viel Geld wert und begehrte Sammlerobjekte.

Florian sammelt seit 2016 wieder Pokémon-Karten, die ursprünglich auf den gleichnamigen Videospielen von Nintendo aufbauen und zuerst 1996 in Japan auf den Markt kamen. „Ich habe eine große Sammelleidenschaft, die ich auf den alten Pokémon-Gameboy-Spielen begründe. […] Ich denke, es ist eine Mischung aus Nostalgie und diesem Drang von damals, alle Pokémon zu fangen“, erzählt der Sammler aus Berlin. Auch Marvin aus Norderstedt hat aus den gleichen Gründen 2015 wieder angefangen: „Ich wollte im Studium wieder etwas sammeln und bin dann auf Pokémon gestoßen, da ich aus meiner Kindheit noch den Wunsch hatte, alle 102 Pokémon zu sammeln. […] Allein die Artworks lassen mich in meinen Kindheitserinnerungen schwelgen.“

Nun haben die Karten über Sammler*innen wie Florian und Marvin hinaus erneut Popularität erlangt. Vor allem der amerikanische YouTuber Logan Paul trieb 2020 den Hype voran. „YouTuber mit riesigen Plattformen haben es in Amerika vorgemacht und jetzt haben die deutschen Influencer nachgezogen. Box Breaks, Vintage Booster Openings und Kartenverlosungen gibt es fast täglich auf Youtube und Twitch zu sehen“, erklärt Florian. Die YouTuber und Streamer kaufen ungeöffnete Packungen und öffnen sie vor laufender Kamera. Der Reiz: Niemand weiß vorher, was in den Boxen ist und einzelne,  seltene Karten können viele tausende Euro wert sein. Im Januar 2020 kaufte Logan Paul dafür ungeöffnete Boxen mit Pokémon-Karten für zwei Millionen Dollar.  In Deutschland sind bekannte Streamer wie Unge und MontanaBlack auf den Zug aufgesprungen. Durch den Hype sind die ursprünglich als Zeitvertreib für Kinder gedachten Sammelkarten auch viele Menschen darauf aufmerksam geworden, die sich dadurch Einnahmen versprechen.

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Foto von @pokegeodude

Marvin beäugt diese Entwicklung skeptisch: „Das Thema Pokémon bezieht sich nicht nur auf das Geld. Viele die gerade in das Hobby eingestiegen sind, fragen mich immer, was in den nächsten Monaten gut steigen wird. Diese Fragen beantworte ich gar nicht mehr, weil ich Pokémon nicht als eine Investition sehe, sondern als eine Erinnerung an die Kindheit.“ Ihm wurden bereits für seine „Charizard Legendary Collection Holo“-Karte aus dem Jahre 2002 45.000 Euro angeboten. Diese Karte gebe es mit einer 10er-Bewertung des amerikanischen Unternehmens PSA, die Karten auf Echtheit prüfen, verifizieren und den Zustand bewerten, was für Sammler*innen besonders wichtig ist, nur zwölf Mal auf der Welt. Marvin lehnte das Angebot ab. Er sei kein Investor, sondern ganz klar Sammler.

Allen, die dennoch durch die neue Präsenz der Karten angefixt sind, rät Florian: „Egal was du gerne machen würdest, fang mit etwas an, das dir gefällt, und lass dir nicht von anderen Sammlern einreden, etwas zu kaufen, weil es teuer ist oder ein Investment sein soll. Sammle lieber Karten, die dich glücklich machen. Vielleicht fang mit einer Karte von deinem Lieblings-Pokémon an und such dir das schönste Artwork raus.“