Die Zukunft unserer Kleidung mit Arys
Welchen Anspruch haben wir an unsere Kleidung? Was steckt hinter dem Begriff „Teachwear“ und wie sieht wirkliche Innovation aus? Diese und noch weitere Fragen haben wir dem deutschen High-End-Techwear Label Arys gestellt. Was anfing als kleine Nische funktionaler Nomaden, hat sich zu einem flächendeckenden
Movement entwickelt, das eine gesamte Republik in Gore-Tex taucht. Techwear- und Outdoor-Kleidung ist zu einer festen Säule in der Modebranche gewachsen, sodass selbst große Fashionhäuser sich berufen fühlen, Soft Shell Jacken, Outdoor Boots oder getapete Hosen herzustellen. Da wir aber lieber bei den Experten nachfragen, haben wir uns mit den Gründern von der deutschen Brand Arys zusammengesetzt, um eben dieses Phänomen zu besprechen. Obwohl die Brand verhältnismäßig jung ist, wächst ihre Gefolgschaft täglich, während in der Zwischenzeit die subtilen aber pointierten Teile der deutschen Marke auf den Straßen von Berlin bis nach Tokio getragen werden.
Für alle die euch noch nicht kennen, wie würdet Ihr Arys beschreiben?
Arys produziert High-End-Techwear für einen vielseitigen und urbanen Lebensstil. Im Jahr 2050 werden 68 % der Weltbevölkerung in städtischen Gebieten leben. Obwohl wir unsere Zeit am liebsten in der Natur verbringen würden, sind Städte unser wichtigster Lebensraum. Daher erforschen wir ständig die Zukunft des täglichen Lebens in der Stadt und übersetzen Outdoor-Technologien für das urbane Umfeld, um raffinierte und langlebige Kollektionen zu entwickeln, die für alle Alltagssituationen im urbanen Raum geschaffen sind. Wir können nicht auf eine lange Tradition zurückblicken. Deshalb haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, schon heute die Bekleidung von morgen zu kreieren. Wir wollen Mode neu definieren und beweisen, dass sie durch die Verbindung von progressivem Design und Funktionalität einen klaren und effizienten Mehrwert in unserem Alltag bieten kann. Ein Outfit, viele Optionen.
Wie sahen bei euch die Anfänge aus? Welchen Anspruch hat man an sich selbst, wenn man nicht nur bedruckte Shirts sondern eine hochfunktionelle Marke ins Leben ruft?
Mein Mitbewohner und ich haben 2014 in einer Studenten-WG in Berlin Neukölln mit multifunktionalen Trainingsanzügen angefangen zu experimentieren. Die Intention dahinter: All-in-One Lösungen für den studentischen Alltag. Wir waren damals ziemlich grün hinter den Ohren. Uns hat es nicht wirklich interessiert, was andere Brands machen, vielmehr haben wir einfach die innovativsten Outdoor-Stoffe auf Messen zusammen gesucht und (teilweise) zum Entsetzen der Hersteller in „urbane“ Produkte wie Hoodies integriert. Der Anspruch ist dann tatsächlich mit dem Zuspruch der Community gewachsen. Wir haben schnell gemerkt, dass wir einen Nerv getroffen haben und uns in ein Segment vortasten, dass zumindest auf dem deutschen Markt noch relativ unerforscht war, aber dennoch nach Daseinsberechtigung schrie.
Ihr wart schon sehr früh bei vielen japanischen Retailern gelistet, wie kam eure Connection zu Tokio zustande und was verbindet ihr mit der Mentalität in Japan?
Wir waren auf einer Messe vertreten, die den meisten wahrscheinlich kein Begriff sein wird: die Outdoor Friedrichshafen. Was sehr urig klingt, war lange Zeit eine große Hausnummer im Outdoor Segment. Auch die Einkäufer von Beams, Journal Standard oder United Arrows haben keine Kosten und Mühen gescheut und den Weg auf sich genommen. Durch unseren unkonventionellen Ansatz funktionale Bekleidung neu zu interpretieren, waren wir schnell Gesprächsthema auf den Korridoren der Messe. Ein vorsichtiges Herantasten der japanischen Einkäufer führte dann zu mehreren Treffen in Tokio. Ehrlich gesagt haben wir nie über den japanischen Markt nachgedacht. Erst auf den Straßen Tokios wurde uns bewusst, dass wir unsere zweite Heimat gefunden haben. Funktionalität und Design: Niemand verknüpft diese beiden Aspekte besser als die Japaner und das in allenLebenslagen.
Könnt Ihr euch selber mit dem Begriff „Techwear“ anfreunden oder wie würdet ihr euren
Stil beschreiben?
Wir nennen unsere Bekleidung „High-End Techwear“ aber gefühlt diskutieren wir fast monatlich über die passende Terminologie zu unseren Produkten. Wir tun uns sehr schwer mit dem Schubladendenken, weil man mit Techwear beispielsweise häufig etwas sehr futuristisch, mysteriöses verbindet, was nur „Ninja-Affine“ Menschen tragen würden. Dabei machen wir Bekleidung für alle Menschen, die nach gutaussehenden und smarten Lösungen für den Alltag suchen. „Urban/ Outdoor“, Hybridwear etc: Wir könnten jetzt mit vielen Begriffen um uns werfen, aber wollen natürlich auch auf Google gefunden werden.


Gerade im Bereich funktionaler Mode hat sich in den letzten Jahren viel getan. Könnt ihr euch erklären woher die Nachfrage nach Hiking-Schuhen und Goretex-Jacken kommt?
Ich glaube der Hype in den frühen 2000ern rund um das Leben in der Stadt zwischen Industrial Lofts und Latte Macchiato hat nachgelassen und die Sehnsucht nach Natur ist exponentiell gestiegen. Auch wenn die Stadt aus praktischen Gründen unsere Heimat bleibt, wird die Natur gerade durch den Klimawandel zu etwas Heiligem. Derartige Entwicklungen haben auch Einfluss auf unsere Freizeitgestaltung und folglich auf das Kaufverhalten. Ein weiterer Punkt ist das Thema Nachhaltigkeit. Outdoor Brands sind ihren Kollegen aus der konventionellen Mode immer schon einen Schritt voraus gewesen. Sei es auf Grund der Langlebigkeit der Produkte oder dem Einsatz nachhaltiger Technologien. Die Leute haben erkannt, dass die Outdoor-Industrie sicherlich eine der besten Antworten auf Fast-Fashion ist. Manchmal habe ich das Gefühl, dass „mehr“ nicht unbedingt besser sein muss und manche Marken Features in ihrer Kleidung haben, die man eigentlich nicht braucht. Wenn gutes Design auf Funktionalität trifft geht es immer um die perfekte Balance aller Komponenten. Es ist sicherlich einer der Königsdisziplinen in der Modebranche den perfekten Grad zwischen „over-engineered“ und „over-simplicty“ zu finden. Es ist schade, wenn ein Kleidungsstück tolle Funktionen hat, aber irgendwie der Twist fehlt. Genauso ist es übertrieben, wenn man mit Taschen übersäten Klamotten als Mitglied eines S.W.A.T. Teams durchgehen könnte – stets bereit für die nächste Razzia. Man kann sehr viel Raffinesse mit der Auswahl einzigartiger Stoffe in ein Bekleidungsstück bringen. Weniger ratsam ist der übertriebene Einsatz von Außentaschen, denn das hat irgendwann nichts mehr mit Design zu tun. Eher stellt es den Kunden vor Probleme, weil er vor der Haustür ewig seine Schlüssel suchen muss.
Was für Features oder Innovationen sind Teil eurer Marke?
Das Wort „innovativ“ möchte ich speziell für unsere Arbeit nicht zwingend in den Mund nehmen. Innovativ sind beispielsweise die Stoffhersteller, die uns immer wieder
außergewöhnliche Materialen zur Verfügung stellen. Ich glaube unser Top-Feature ist die Erkenntnis, dass wir als Techwear Brand äußerst „tragbar“ sind. Um das vorher Gesagte nochmal aufzugreifen: Mit Arys bewegen wir uns stabil zwischen „over-engineered“ und „over-simplicty“, wodurch wir sowohl für den betagteren Anwalt, den Outdoor-Freak aber auch den City-Boy eine Option sind.
Vor kurzem hatte der Gründer einer weltweit renommierten Techwear Brand öffentlich seinen Unmut über Copy Cats geäußert. Wie viele Marken in der Welt der funktionalen Mode kopieren sich gegenseitig? Welche Brands, außerhalb von Arys, feiert ihr auch persönlich?
Einigen Marke lassen sich sicherlich stärker von ihrer Konkurrenz inspirieren als Andere, aber unter den funktionalen Brands geht es meines Erachtens fair zur Sache. Ein cleaner schwarzer Mantel verkauft sich nun mal deutlich besser als ein Knallgrüner mit vielen Taschen. Man kann das Rad nicht immer neu erfinden, aber durch die Kombination von Design und Material ist immer Raum für Differenzierung. Wenn Kunden deine Marke auch ohne Logo erkennen, dann hat man es geschafft. Nachahmungen sollte man eher als Kompliment auffassen, weil die rechtlichen Mittel in diesen Fällen sehr begrenzt sind. Es gibt zum Glück viele tolle Brands, die ihren eigenen Stil entwickelt haben. Unsere Favoriten findet man im Arys Store.
Eure kommende Kollektion steht für die „Warderobe of the Future“. Was war die Inspiration hinter der Kollektion und wie sieht die Zukunft unserer Alltagskleidung aus?
Die Kollektion ist inspiriert von der schlichten und puristischen Architektur moderner Metropolen. Minimalistische Schnitte und reduzierte Linien verbergen den komplexen und technisch ausgefeilten Kern der Kleidungsstücke. Outdoor-Technologien werden für das urbane Umfeld übersetzt, um reibungslos bei allen Bedingungen durch den urbanen Raum wandeln zu können. Der Lebensmittelpunkt der Menschen wird die Stadt sein, als vielseitiger Dreh- und Angelpunkt für unseren „work and play“-Lifestyle. Die Natur ist der Ort, um Kraft zu tanken. Nachhaltige Mobilität ist und bleibt eines der wichtigsten Themen für den Stadtbewohner, doch über allem thront der Klimawandel. Die Bekleidung der Zukunft muss sich diesen Umständen anpassen. Wir sind Allzweckwaffen wie Smartphones gewöhnt, deswegen werden wir derartige Ansprüche auch bald schon an unsere Bekleidung stellen.


So gut wie jeder auf dem Markt kollaboriert mit anderen Marken und Partnern – ihr habt euch da bis dato eher zurückgehalten. Dennoch: was wäre euer Traum Tag-Team für ein zukünftiges Projekt?
Wir haben uns in der Tat erstmal auf uns selbst konzentriert. Für 2022 ist einiges in Planung. Aber ich möchte noch nicht zu viel verraten. Nachdem euer Store in Berlin eröffnet wurde: was sind die nächsten großen Meilensteine, die wir von Arys erwarten können? Die Corona-Krise hat uns alle weiterhin fest im Griff. Als kleines Unternehmen mit komplexer Wertschöpfungskette hatten und haben wir mit vielen Problemen zu kämpfen. Ich möchte aktuell gar nicht so weit in die Zukunft schauen, sondern freue mich über eine gelungene Winterkollektion trotz widriger Umstände.
Und zuletzt, da wir ja hier bei StockX sind: welche Sneaker sind eure persönlichen Favoriten und was passt aus eurer Sicht gut zu eurem Look?
Alles was funktionell, geradlinig und in gewisser Weise auch unique ist. Wir sind große Fans von Sneaker Silhouetten, die nicht jeder gleich auf dem Schirm hat. Der absolute Hype Schuh ist weniger ‘Arys‘. Ich sehe uns auf jeden Fall zwischen Asics mit Kiko Kostadinov, Salomon mit 11 BY BBS auf StockX.
