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January 27, 2022

Last updated on April 20, 2022

Uniformierung vs. Abgrenzung

Uniformierung vs. Abgrenzung - Warum wollen wir alle einzigartig sein – und sehen doch alle gleich aus?

Uniformierung vs. Abgrenzung - Warum wollen wir alle einzigartig sein – und sehen doch alle gleich aus?

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Uniformierung vs. Abgrenzung – Warum wollen wir alle einzigartig sein – und sehen doch alle gleich aus?
Warum wollen wir alle einzigartig sein – und sehen doch alle gleich aus?

Wie kann es sein, dass wir alle jeden Monat viel Geld investieren, um uns vermeintlich exklusive Artikel zu kaufen, um dann doch wie jeder andere Sammler auszusehen? Lasst uns einen offenen Diskurs wagen, warum die Dinge sind wie sie sind

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„Dazu“ gehören

Der erste Kontakt mit exklusiven Dingen, wie Markenkleidung oder limitierten Sneakers, beginnt bereits relativ früh. Die meisten von uns kommen schon in der Schule in Berührung mit solchen Dingen, die zu einem gewissen Grad auch ein Elite-Denken mit sich ziehen. Die Rede ist natürlich von den „coolen Kids“, zu denen viele von uns in unserer Kindheit und Jugend gehören wollten. Das fängt an mit denselben Konsolenspielen, um auf dem Schulhof mitreden zu können und geht weiter zu einem Paar Nike Air Max 1.

Innerhalb dieser vermeintlich elitären Gruppe fühlen wir uns aufgehoben und ein Stück weit auch erhaben gegenüber allen denjenigen, die kein Teil dieser Gruppe sind. Es festigt uns in unserem Handeln und lässt uns selbstbewusster auf Dinge schauen, bei denen wir uns vorher noch unsicher waren. So werden Schriftzüge von Logos zu Erkennungsmerkmalen unter allen Eingeweihten. Wir gehen nicht mehr in den Discounter, sondern bemühen Graffitti Shops, Boutiquen und Vintage Läden, um anders auszusehen, als 90% des Mainstreams, der Fast Fashion hinterherläuft und sich an Schnäppchen betäubt, anstatt eine Geschichte mit ihrem Style zu erzählen. So dachten wir zumindest.

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Heutzutage ist wirklich JEDER Sneakerhead. Ein volles Schuhregal ist inzwischen genauso normal wie Schulden bei Klarna. Sollte unsere heilige Exklusivität doch nur eine Illusion einer Bubble sein, in der wir uns bewegen? Doch wo haben wir aufgehört, uns abzugrenzen und uns stattdessen dem Mainstream anzuschließen?

Internet killed the Radio Star

Die Möglichkeiten des Internets waren in seinen Anfangstagen ein wahrer Segen für die weltweite Streetwear und Sneaker Community. Foren wurden eröffnet, die Proxy Dienste für Japan und die USA anboten und durch das WWW konnten sich Fans auf der ganzen Welt verbinden, austauschen und unterstützen. Teil dieser Bewegung waren online Personas, die Enthusiasten aus dieser Szene nach eigenem Gusto gestalteten. Auf Myspace konnte man seine komplette Seite inklusive Hintergründe und Sound anpassen, während in Foren der Avatar und die Signatur Spielraum für freie Kreativität ließen. Diese Anfangstage bestehend aus Lamas mit Hüten, LimeWire und den ersten Let’s Plays waren ein unschuldiger Anfang für das, was uns Jahre später nicht nur einholen, sondern auch überrollen sollte.

Heutzutage ist eine Welt ohne das Internet nicht mehr denkbar. Millionen Fans weltweit tauschen sich im Sekundentakt über aktuelle Drops in Discord Gruppen aus, laden auf Instagram ihr neuestes Fitpic hoch und posten ein TikTok über ihren Shopping Trip in Paris. Leider ging mit dem Fortschritt auch ein Stück weit unserer Individualität flöten. Es gab keine eigenen Templates oder wilde Avatare mehr. Instagram, Facebook und Co. legen nicht nur alle Profile gleich an, der Algorithmus gibt sogar vor, wann die User am besten zu posten haben – um überhaupt ihre Abonnenten und Freunde zu erreichen. Auf TikTok geht das Ganze sogar so weit, dass sog. Challenges-initiiert von großen Influencern oder Companies Millionen User dazu animieren, dieselbe Aktivität nachzuahmen und zu posten. So scheint es, dass obwohl Selbstverwirklichung und Individualität so wichtig wie noch nie sind, wir uns alle wie eine austauschbare Nummer in einer riesigen Kartei aus Boxlogos, Swooshes und Ikea Teppichen fühlen.

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Free yourself

Seit unserer Kindheit waren wir also besessen von dem Gedanken, uns einer elitären Gruppe anzuschließen, um uns irgendwann vom Mainstream deutlich abzugrenzen und Exklusivität sowie Einzigartigkeit in jeglicher Hinsicht nach außen zu tragen – doch daran sind wir ja anscheinend gescheitert. Wenn der eigene Geschmack zum Mainstream wird, Hip Hop zum erfolgreichsten Genre und Sneaker zum Mode-Accessoire für Jedermann, wird es an Zeit seine eigene Selbstverwirklichung selber in die Hand zu nehmen. Denn das Einzige, was am Ende des Tages wirklich individuell bleibt, sind wir selber.

Unser bisheriges modisches Schaffen kann man vergleichen, wie ein Videospiel, bei dem man verschiedene Level durchläuft. Am Anfang konnten und wussten wir gar nichts. Wir trainierten, häuften Wissen an und wurden über die Jahre immer versierter. Und nun, da uns die Welt, das Internet und sämtliche modische Strömungen zur Verfügung stehen, wird es an der Zeit tiefer in die Materie zu gehen und unsere Profession zu schärfen. Nike und Adidas wird zu Asics und Salomon, Supreme zu Noah, Acronym zu Arys, Flex zu Understatement und Kanye West Merch zu Vintage Nirvana Shirts. Wir haben die einzigartige Möglichkeit unser komplettes Wesen in unseren Style einfließen zu lassen. Und dort hören wir noch lange nicht auf: das Eigenheim wird mit Kunstwerken, Homegoods und Möbeln aus den Federn urbaner Akteure eingerichtet, während NFTs unsere digitale Leinwand ausfüllen. Auch wenn wir 2022 zum Teil sehr ähnlich sind – die Möglichkeiten uns selbst auszudrücken waren noch nie so hoch. Und solange wir das im Hinterkopf behalten, tut es auch nicht so weh, auf den ersten Blick auszusehen, wie jeder andere.