
Heutzutage sind Sneaker- und Streetwear-Kollaborationen mit Modehäusern fast schon selbstverständlich. Dabei waren vor nicht allzu langer Zeit Sneaker auf dem Laufsteg noch unvorstellbar. Trotzdem wusste man in Herzogenaurach schon um das Potential von High-Fashion-Sportswear. Wir blicken zurück auf fünf Adidas-Kollaborationen mit Designern, die ihrer Zeit weit voraus waren.
Foto von Fashion Network
Yohji Yamamoto
Die Partnerschaft zwischen Yohji Yamamoto und adidas besteht schon seit fast 20 Jahren. Nach der ersten Zusammenarbeit zur Fashion Week in Paris im Frühling 2001, gründet man in Herzogenaurach die Sport Style Division als Plattform für weitere Kollaboration mit wegweisenden Modeschöpfern. Daraus entsteht 2003 das Y3-Label mit Yohji Yamamoto als Creative Director.
Für die Marke mit den drei Streifen entwirft der japanische Designer ungewöhnliche Schnitte mit seiner avantgardistischen Handschrift in schwarz und weiß. Natürlich bindet er dabei immer wieder die neusten Innovationen aus dem Hause adidas in seine Kreationen ein, um sie für das High-Fashion-Publikum schmackhaft zu machen.
Doch seine Arbeit für adidas soll nicht nur auf dem Laufsteg gut aussehen: Tennisprofis wie Dominic Thiem tragen seine Designs bei der French Open in Paris, die Mannschaft von Real Madrid in der Champions League. Manche Y3-Designs finden auch ihren Weg in die breite Masse. Der Erfolg des Qasa High, beispielsweise, dient als Vorlage für die Tubular-Modelle, die später unter dem Originals Label erscheinen.
Jeremy Scott
adidas versucht immer wieder die Grenzen zwischen Sportswear und Fashion zu sprengen. Ein perfektes Beispiel dafür ist die kreative Partnerschaft mit Jeremy Scott. Die erste Kollaboration zwischen den beiden erscheint bereits 2002: ein adidas Forum Mid mit einem Geldscheinmotiv aus Seiden-Jacquard. Das auf 100 Stück limitierte Modell war damals schon bei Resellern beliebt und wurde für mehrere tausend Euro gehandelt.
Im Frühling 2009 ist Jeremy Scott einer der drei ursprünglichen Designer, die im Rahmen von Originals by Originals ikonische adidas-Silhouetten neuinterpretieren. Seine erste ObyO-Kollektion mit goldenen Flügel- und flauschigen Teddybär-Sneakern ist legendär. Der einst schüchterne Junge aus der Nähe von Kansas City ist für seine unverwechselbaren exzentrischen Designs bekannt.
Es sollen noch viele weitere Folgen: Sneaker mit drei Zungen, Trainingsanzüge in Gorilla-Optik, Zwangsjacken in amerikanischen Farben, überdimensionale Rucksäcke. Der JS Roundhouse Mid wird von adidas jedoch gestrichen, weil die Fesseln in der Öffentlichkeit als Anspielung auf Sklaverei in die Kritik geraten. Seine bislang letzte Kollektion für adidas erscheint im Herbst 2015. Inzwischen fungiert Jeremy Scott als Creative Director von Moschino.
Kazuki Kuraishi
Auch Kazuki Kuraishi ist einer der drei ursprünglichen ObyO-Designer. Seine ersten Schritte macht er in der japanischen Streetwear-Szene, unter anderem als Grafikdesigner für A Bathing Ape. Nebenbei entwirft er Flyer und Album-Cover für Musiker. Seine Arbeit ist anfangs von bunten Mountain-Bike-Logos aus seiner Zeit in den Bergen Colorados inspiriert. Inzwischen ist seine Designsprache einfacher geworden mit minimalistischen Logos, was sicherlich auf seine Zusammenarbeit mit Hiroshi Fujiwara bei Fragment Design zurückzuführen ist.
Auch seine Kollaborationen mit adidas sind einfach gehalten und von seinem Bezug zur Natur geprägt. So arbeitet er gerne mit Outdoor-Modellen und interpretiert klassische Silhouetten wie den Adidas Campus mit Hiking-Elementen und minimalistischem Branding neu. Der Kazuki x adidas ZX 750 „Mud“ sieht frisch aus dem Karton aus wie nach einem Waldspaziergang im Regen.
Raf Simons
Bevor er seine erste Kollaboration mit adidas veröffentlicht, arbeitet Raf Simons bereits 2009 mit Asics zusammen. Er ist dem Tech-Sneaker-Trend also schon weit voraus. Doch mit dem Raf Simons x adidas Ozweego begeistert er auf der Fashion Week in Paris 2013 ein noch größeres Publikum.
Der belgische Modeschöpfer, der seine Karriere mit Möbeldesign beginnt, lässt sich für seine Arbeit immer wieder von Jugendsubkulturen inspirieren. Seine erste Show auf der Fashion Week für Herbst/Winter 1997 erinnert an amerikanische College-Studenten und britische Schulkinder, seine Kollektion für Frühling/Sommer 2000 verkörpert die Ästhetik der Gabba-Szene.
Seine Interpretation des Stan Smith – mit einem perforierten „R“ anstelle von drei Streifen – verhilft dem früheren Discounter-Modell bei seiner glamourösen Rückkehr 2014 zu einem ganz neuen Ruf. Der Ozweego ist ein weiteres Beispiel für eine Designer-Kollaboration, die als Vorlage für die Modelle Yung-1 und Yung-96 dient und für die breite Masse zugänglich gemacht wird.
Stella McCartney
adidas by Stella McCartney ist ein weiteres Label, das von der Sport-Style-Division in Herzogenaurach ins Leben gerufen wird. Auf der New York Fashion Week im Herbst 2004 stellt die Tochter von Beatles-Sänger Sir Paul McCartney die erste High-Fashion-Performance-Kollektion exklusiv für Frauen vor.
Anlässlich der Olympischen Spiele 2012 in London entwirft Stella McCartney als erste High-Fashion-Designerin überhaupt für adidas die Uniform für das britische olympische Team. Auch für die Olympischen Spiele 2016 in Rio nimmt sie wieder ihre Rolle als Creative Director für Team GB auf.
Die britische Modeschöpferin ist dafür bekannt, dass sie sich für Tierrechte einsetzt und auf nachhaltiges Design setzt. adidas vertraut Stella McCartney 2015 die erste Kollaboration des Ultra Boost Collective an, welche die Erfolgsgeschichte des neuen Runners prägen soll. Sie zeichnet 2019 auch für die erste Kollaboration auf dem Alpha Edge 4D verantwortlich.