Wenn wir an die Romanze zwischen Sneakern und Hip-Hop denken, kommen uns wir vor allem an Kanye West, MF DOOM, RUN-DMC oder Travis Scott in den Sinn. Doch auch im Deutschrap spielt die richtige Wahl der Treter seit den Anfängen eine große Rolle. Rapper und Breakdancer aus der DDR – beziehungsweise ihre (Groß-)Mütter – haben teilweise Stunden damit verbracht, die Kleidung aus dem Westen nachzuschneidern oder vorhandenen Turnschuhen mit dem Edding einen Swoosh oder drei Streifen zu verpassen.
Spätestens als das Genre in den 1990ern immer bekannter wurde, eiferten immer mehr Künstler ihren Vorbildern aus den USA in Sachen Style nach: Jacken und Caps von Starter gehörten genauso dazu wie die neuesten Sneaker von Nike. Diese musste man sich damals übrigens noch oft aus dem Urlaub oder von der Militärbasis mitbringen lassen. Die Frankfurter Rap-Legende Moses Pelham trägt zum Beispiel auf dem Cover von Direkt aus Rödelheim (1994) den Nike Air Waffle City – ein begehrter Grail unter Vintage-Sammlern.
In den 2000er Jahren, als Aggro Berlin, Royal Bunker, Deluxe Records und ersguterjunge die deutschen Kinderzimmer dominierten, war der Hypetrain nicht mehr aufzuhalten. Es gab nicht nur zahlreiche Songs über Schuhe wie Sneakerking von Prinz Porno, Air Max Muzik von Fler und Air Max von Jan Delay und D-Flame, sondern sogar die erste Collabo. Nach Pharell, 50 Cent, Nelly und Jay-Z durfte niemand geringeres als Samy Deluxe in den Jahren 2006 und 2007 seine eigenen Reebok Sneaker entwerfen: den DLX I und DLX II.
“Gott sei Dank gibt es wieder Air Dunk / Die Haze Edition, das ist Sneaker Punk” – Prinz Porno, Sneakerking
Der Nike Dunk Haze
Heute sind sowohl Sneaker als auch Deutscher Rap in der breiten Masse angekommen. Vor allem Gzuz, Bonez MC, LX und ihre Kollegen von der 187 Strassenbande sind dafür bekannt, eine besondere Beziehung zu einem Schuh zu pflegen: dem Nike Air Max Plus. Zum Release der drei OG-Colorways Voltage Purple, Pimento und Hyper Blue im Jahr 2018 spendierte Nike den Hamburgern kurzerhand drei Mercedes AMG im Design der von der Crew so oft besungenen Haifischnikez – ein Marketing-Move, der sich gelohnt hat.
Doch auch abseits von Nike ist einiges los. Sieht man sich Künstler wie UFO361 oder RIN an, die bei Fans für ihren Style bekannt sind, stechen einem auch oft Sneaker kleinerer Brands wie der ASICS Gel-Kayano 14 und der New Balance 550, oder eben High-End-Modelle von Balenciaga, Gucci oder DIOR ins Auge.
Wer sich mit Hip Hop befasst weiß, wie vielfältig sowohl die Community als auch die Musik sind. Dieser Facettenreichtum spiegelt sich genauso an den Füßen der Deutschrapper wieder: ob klassische Silhouetten, die neuesten Hype-Sneaker, oder High-Fashion-Schuhe. Genau wie bei der Musik ist für jeden Geschmack etwas dabei.